Der »Bibel-Prediger«

Prediger Haymo Müller

Bibel- und Gebetsstunden im Internet ...

Kleine Denkanstöße ...

... zum Thema: Göttliche Inspiration

Hier geht es zurück zur „Übersicht“.


14.11.2020: Das Monstrum „Ich“

Bevor du die Geburt des Geistes der göttlichen Liebe in dir erfahren hast, kannst du die göttliche Liebe nicht kennen, denn göttliche Liebe ist vollkommener Friede, vollkommene Freude. Sie befreit von aller Unruhe, ist in sich selbst vergnügt und macht alles glücklich und froh. Die Liebe ist der Christus Gottes. Wo sie hinkommt, spendet sie Segen und Glück, bringt die abhanden gekommene Vollkommenheit wieder zurecht und offenbart sich als die Erfüllung aller Gerechtigkeit, als der Friede, der höher ist als alle Vernunft.

Sobald ein vernünftiges Geschöpf sich von Gott entfernt und dem eigenen Ich zuwendet, lernt es die Natur kennen, wie sie in sich selbst, ohne Gott, ist. Da findet man lauter Wirkungen des Bösen: den Geiz, den Neid, den Hochmut und den Zorn. Diese vier Hauptelemente des Ich oder der Natur sind unlöslich mit dieser verbunden. Besäßen wir von den guten – wie von den bösen – Dingen klarere Erkenntnis, würden wir uns mehr davor fürchten, die Schlange des Geizes, des Neides, des Hochmuts und des Zorns in uns zu hegen und zu pflegen, als in ein Pesthaus eingeschlossen oder in ein Verlies mit giftigen Tieren geworfen zu werden. Dieses Monstrum, Ich genannt, kann sich unter allerlei frommen Formen verbergen. Es kann wachen und fasten, viel und lang beten und predigen und entwickelt unter dem Deckmantel solcher Frömmigkeit oft mehr Leben und Macht als in Zöllnern und Sündern.

Diesem eigenen Ich absterben oder von seiner Macht befreit werden kann man nicht mit eigener Anstrengung. Nur ein Weg führt zum Ziel: äußerst einfach und leicht verständlich kann er jederzeit von jedermann begangen werden und ist immer von Erfolg gekrönt. Kennst du ihn? Es ist der Weg der Geduld, der Sanftmut, der Demut, der Ergebung in Gott. Nur dieser Weg führt zum wirklichen und völligen Absterben des eigenen Ich.

Es gibt im christlichen Leben kaum eine schwierigere Lektion, als zur wahren Erkenntnis des eigenen Ich zu kommen. Seine furchtbare Macht, seine alles umfassende, verborgene Herrschaft, sein unsichtbarer Einfluss, der uns daran hindert, seine wahre Natur zu erkennen, sind die Ursache aller Sünde und alles Bösen. Kein Wunder, dass nur wenige Menschen ihr Unvermögen erkennen, von sich aus Gott zu gehorchen oder an seine Liebe zu glauben. Doch kann nichts uns von dieser Unfähigkeit befreien, als jene innerste Willigkeit, dem Ich abzusterben. Diese wird uns geschenkt, sobald wir es im Glauben annehmen, dass wir in Jesus Christus Gestorbene sind. So können wir durch den Glauben und den Heiligen Geist Teilhaber jener Sanftmut, Güte, Demut und Hingabe in Gott werden, die dem Tod Jesu Christi in den Augen des Vaters höchste Würde verlieh.